Iana Salenko

Jana Salenko
Die Luft ist stickig und schwül. Es ist zehn Uhr und die Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts Berlin schlagen sich bereits die Beine um die Ohren. An der hinteren Spiegelwand der Probebühne biegt auch Iana Salenko ihren Oberkörper nach hinten und streckt anschließend ihr Bein horizontal nach oben. Als ungeübter Ballett-Laie schaut man zwangsläufig am eigenen Körper hinab und fragt sich, wie die menschlichen Muskeln sich derart dehnen können.
Solche Fragen hat sich die 26-jährige Salenko aus der Ukraine nie gestellt. "Ich wollte unbedingt Balletttänzerin werden und habe sehr hart dafür gearbeitet. Und natürlich gehört auch eine Menge Glück dazu", sagt sie.

Die kleine Sanfte Groß im Tanzen

Natürlich sind es nicht nur Ianas trainierte Beine, die sich an diesem Morgen auf der Probebühne des Berliner Staatsballetts in alle Himmelsrichtungen ausstrecken. Aber ihren Bewegungen folgt ein sanfter, verträumter Gesichtsausdruck, eine Eleganz die unter den rund 50 Tänzerinnen und Tänzern sofort heraussticht - trotz oder vielleicht auch wegen ihrer Körpergröße von knapp einem Meter sechzig. Ungewöhnlich auch ihr später Start in die Tanzwelt.

Spätstarterin Salenko

"Es war wirklich Zufall", erzählt sie. "Ich war an einem Nachmittag in einem Jugendclub, wo eine Menge Freizeitaktivitäten angeboten wurden - unter anderem eben auch Ballett. Als die Lehrerin mich dort sah, fragte sie mich, ob ich Lust hätte, Ballerina zu werden. Es war eigentlich schon zu spät dafür, ich war ja schon zwölf - aber ich wollte es unbedingt und sagte ja!"
Der späte Start ist nicht ganz einfach für die heute 26-Jährige. Als sie nahezu bei Null anfängt, sind alle Mädchen in der Ballettschule schon kleine Profis. Mit einer Mischung aus Talent und sehr starkem Willen holt sie nicht nur schnell auf - sie überholt die anderen Mädchen.

Schnellstart - von der Schule zur Solistin

Bereits mit 16 wird sie direkt aus der Schule auf die Bühne geholt - nicht zu den Gruppentänzern, sondern gleich als Solistin. Ihre erste Rolle: Kitri in "Don Quichotte",
die sie fast nicht getanzt hätte. Denn am Auftrittsabend liegt sie mit 39 Grad Fieber krank im Bett: "Eine Betreuerin in unserem Internat fragte mich, ob ich nicht lieber
absagen wolle. Und ich sagte: Auf keinen Fall! Ich will unbedingt tanzen. Nach der Aufführung habe ich dann geweint, weil ich es mit meinen 16 Jahren und trotz Krankheit geschafft hatte."
Diese Liebe ist echt: Iana Salenko mit ihrem Ehemann Marian WalterZwei Jahre tanzt Iana Salenko beim Ballett in Donezk, es folgen drei weitere Jahre als Primaballerina in Kiew. Auf einem Tanzwettbewerb in Wien lernt sie den deutschen Tänzer MariaWalter kennen - die beiden verlieben sich, heiraten und Iana folgt ihm nach Deutschland. Sie bewirbt sich beim Staatsballett Berlin, in dem bereits auch ihr Mann tanzt. Zunächst startet sie als Demi-Solotänzerin beim Staatsballett Berlin. Doch innerhalb kurzer Zeit befördert Intendant Vladimir Malakhov die kleine Tänzerin mit den kurzen rot gefärbten Haaren zur Ersten Solotänzerin.

Mutter auf Spitzenschuhen

Seit fünf Jahren nun ist sie fester Bestandteil des Ensembles, tanzt im "Nussknacker", "Giselle" oder "Romeo und Julia". Nun bekommt sie den "Deutschen Tanzpreis Zukunft" verliehen, der renommierteste Nachwuchspreis für künstlerischen Tanz in Deutschland. "Ich weiß nicht so genau, warum ausgerechnet ich jetzt diesen Preis verliehen bekomme", kommentiert sie bescheiden diese Auszeichnung. "Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Kind bekommen habe."

Tanzendes Ehepaar

Während des Interviews hält sie die ganze Zeit über ihren 15-monatigen Sohn auf dem Arm, der abwechselnd aus der Flasche trinkt oder bereits die kleinen Beinchen ganz wie die Mama in die Höhe streckt. Tänzerin und Mutter sein ist für sie kein Ausschlusskriterium.
Sie habe sich so sehr ein Kind gewünscht, aber das Tanzen auch nicht aufgeben wollen. "Zwei Monate nach der Geburt war ich wieder auf der Bühne", sagt sie ganz selbstverständlich und kann aus ukrainischer Perspektive die Verblüffung deutscher Frauen darüber nicht so richtig verstehen. "Natürlich war es nicht einfach, meinen Körper so schnell wieder in Form zu bringen, aber wenn man etwas wirklich erreichen möchte, dann ist es auch möglich."

Preisträgerin "Deutscher Tanzpreis Zukunft 2010"

Zwangsläufig kommt einem ihr starker Wille als junger Teenie in den Sinn, mit dem sie es nach nur vier Jahren in der Ballettschule zur Solotänzerin schaffte. Und trotz dieser Willensstärke - Iana Salenkos Tanz ist nicht von einer karrieresüchtigen Verbissenheit geprägt, sondern von einer zauberhaften Leichtigkeit. Und vielleicht ist auch eher diese der Grund dafür, dass sie zur diesjährigen Preisträgerin des Deutschen Tanzpreis Zukunft gekürt wird.

„Deutsche Welle“

Wenn Iana Salenko zu tanzen beginnt, meint man, die Gesetze der Schwerkraft gelten nicht mehr.

„Deutschlandfunk Kultur“

Primaballerina Iana Salenko erhält Deutschen Tanzpreis

Die in Kiew geborene Salenko wird für ihre herausragende tänzerische Leistung geehrt. Seit 2007 ist sie Primaballerina im Staatsballett Berlin, wo sie in "Cinderella", Dornröschen" und "Der Nussknacker" tanzte.
Iana Salenko, Erste Solotänzerin des Staatsballetts Berlin, erhält den Deutschen Tanzpreis "Zukunft" 2010. Die aus Kiew stammende Primaballerina wird mit der undotierten
Auszeichnung für ihre herausragende tänzerische Leistung geehrt, wie das Staatsballett am Dienstag mitteilte.
Salenko wurde direkt im Anschluss an ihre Ausbildung Solistin beim Ballett des Opernhauses Donezk und wenig später als Erste Solotänzerin für die Ukrainische Nationaloper Kiew
verpflichtet. Seit 2005 ist die Tänzerin beim Staatsballett Berlin, 2007 wurde sie von Intendant Vladimir Malakhov zur Ersten Solotänzerin ernannt.
"Dieser Preis ist eine wunderbare Anerkennung meiner bisherigen Karriere und zugleich ein Ansporn für die Zukunft. Ich liebe meinen Beruf sehr und hoffe, noch viel erreichen zu
können", erklärte Salenko. Sie wird als Künstlerin mit herausragender Technik, mit elegantem und zugleich unbekümmertem Tanzstil und großer Spielfreude beschrieben. In Berlin tanzte
Salenko bereits Malakhovs "Cinderella" und "Dornröschen", Peter Schaufuss' "La Sylphide", die Marie in "Der Nussknacker" und die Rolle der Olga in John Crankos „Onegin“.

„Die Presse“

Die kleine Clara (erst süß, dann brillant: Iana Salenko) fantasiert sich in eine Traumwelt, in der aus dem Nussknacker ein Prinz wird. Salenko flößt dem versteiften Marian Walter durch ihre Berührung Leben ein.

„Der Tagesspiegel“

ERSTE SOLOTÄNZERIN

geboren in Kiew, Ukraine

BALLETTAUSBILDUNG

1995-2000 Pisarev Ballettschule in Donezk

WETTBEWERBE | AUSZEICHNUNGEN

2002 Erster Preis und „Diaghilew-Preis“ beim Serge-Lifar- Wettbewerb in Kiew
2004 Erster Preis beim ÖTR Contest in Wien
2004 Erster Preis und „Makharova-Preis“ beim Arabeske-Wettbewerb
2004 Dritter Preis beim Internationalen Ballettwettbewerb in Varna
2005 Erster Preis beim Internationalen Ballettwettbewerb in Helsinki
2005 Erster Preis beim Internationalen Ballettwettbewerb in Nagoya

ENGAGEMENTS

2000 Solistin beim Ballett des Opernhauses Donezk /// 2002 Erste Solotänzerin an der Ukrainischen Nationaloper Kiew /// 2005 Demi-Soltänzerin beim Staatsballett Berlin /// 2006 Solotänzerin /// seit 2007 Erste Solotänzerin

REPERTOIRE

„Der Nussknacker“ (Marie), „Dornröschen“ (Prinzessin Aurora), „Giselle“ (Titelrolle), „Don Quixote“ (Kitri), „La Sylphide“, „Romeo und Julia“ (Julia)

REPERTOIRE IN BERLIN

Vladimir Malakhovs „Cinderella“ (Titelrolle), Vladimir Malakhovs „Dornröschen“
(Prinzessin Aurora, Pas de deux Prinzessin Florine - Blauer Vogel, Fee Canari qui chante),
Patrice Barts „Nussknacker“ (Marie), Boris Eifmans „Tschaikowsky“ (Mädchen), George
Balanchines „Tschaikowsky-Pas- de-deux“ und „Jewels“ (Rubies Pas de deux), Vladimir
Malakhovs „Die Bajadere“ (Dschampe Tanz), Grand Pas de deux  „Le Corsaire“, Grand Pas
de deux „La Esmeralda“, Patrice Barts „Giselle“ (Bauern-Pas- de-deux),  Auguste
Bournonvilles „Blumenfest von Genzano“ (Grand Pas de deux), Frederick Ashtons „Sylvia“

(Tanz der Geißlein), Giorgio Madias „Alice's Wonderland“ (Alice), John Crankos „Onegin“
(Olga), „Glories of the Romantic Ballet“ (Pierre Lacottes „Le Papillon“), Peter Schaufuss' „La
Sylphide“ (Titelrolle), Patrice Barts „Das flammende Herz“ (Harriet Grove, Shelleys erste
Liebe), Vladimir Malakhovs „La Péri“ (La Péri), Giorgio Madias „OZ - The Wonderful
Wizard“ (Dorothy), Yuri Burlaka/Vasily Medvedevs „La Esmeralda“ (Esmeralda, ein
Zigeunermädchen), Heinz Spoerlis „Peer Gynt“ (Solveig), John Crankos „Romeo und Julia“
(Julia), Vasily Medvedevs und Yuri Burlakas „Der Nussknacker“ (Clara), Marius Petipas
„Don Quixote“ (Malakhov & Friends 2014), Giorgio Madias „Don Juan“ (Elisa), Nacho
Duatos „Dornröschen“ (Prinzessin Aurora); „Der Nussknacker“ (Clara), John Crankos
„Onegin“ (Tatjana)

BESONDERES

Einladungen: 2006: Opernhaus Stettin Galaprogramm /// 2006 Theater Arnheim, NL:
Benefiz-Gala der Stiftung ARDT /// 2007 Internationale Ballett-Star- Gala Taipeh /// 2013 Royal Ballet London: Kitri in Carlos Acostas "Don Quixote“ „Die Presse“